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Sie lesen heute: `Gehorsam`
Quelle/ LINK: KG Phil.
1961 erschien im „Nervenarzt“ eine Studie vom Heidelberger Psychosomatiker, Dr. Friedtjov Schaeffer,
über „Pathologische Treue“. Er beschrieb hier die verheerenden Auswirkungen einer Treue seitens einer
jungen Frau zu einer Großmutter, die unmenschlich, sadistisch, quälend und gewalttätig mit ihr umging. Ihre
eigenen menschlichen Regungen wurden von dieser Großmutter und ihr selbst als hassenswerte Schwäche
bekämpft. Die Brutalität dieser Ersatzmutter entschuldigte das Opfer damit, dass diese so viel habe arbeiten müssen. Ihr Alltag wurde so zum ausschließlichen Maßstab dessen, was sie erwarten durfte,
und die Möglichkeit etwas besseres zu erleben verschwand aus ihrem Gesichtskreis, weil diese Möglichkeit mit Angst und Terror belegt war.
Diese Treue ist in der Tat ein Gehorsam, durch den diese junge Frau jede Regung dieser Großmutter zu Ihrer
eigenen machte.
Dadurch wurden die Missstände ihres Lebens nicht nur aufrechterhalten, sondern auch moralisch gerechtfertigt und verteidigt. Es ist genau diese moralische Rechtfertigung, die wir im gesellschaftlichen Leben immer wieder da treffen, wo Menschen ihrem Unterdrücker beigetreten sind.
Die Kehrseite jeder Treue ist eben der Gehorsam um umgekehrt impliziert jeder Gehorsam diese Treue. Nur
glauben Menschen sich treu und deswegen nicht gehorsam, weil sie sich als treu – also aus „freier Wahl“ – erleben. Aber der Tatbestand, dass man Treue als einen moralischen Wert empfindet, den man
selber wählt, verhüllt seine Wurzeln in einem Gehorsam, der der Identifikation mit den Mächtigen dient. Beide, Treu und Gehorsam, haben dieselben Wurzeln in einem Beitreten zur Autorität, wodurch die
resultierende freiwillige Knechtschaft als moralischer Wert und bewundernswerte Qualität eines Menschen vor Augen gehalten wird. .......... weiter im PDF ........................
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